„Endlich am Ziel! Endlich in Orschwiller!“

Im Spätsommer habe ich Hans Werner Hirschkäfer getroffen. Er saß – mit Strohhut, ein Glas Rotwein vor sich – auf der Terrasse einer Auberge. Keiner der anderen Gäste erkannte den Autor, der schon in jungen Jahren mit dem Roman „Das abbe Bein“ für Aufsehen gesorgt hatte, mit der tragischen Novelle „Hirschhase heißt ein Orsch“ einen Skandal provozierte und schließlich für die Satire „Mein Name sei Orschulok“ mit Preisen und Ehrungen überhäuft wurde. – „Ich habe nie gerne geschrieben“ gestand er mir. „Ich wollte immer nur einer sein, der geschrieben hat! Und jetzt – hier, am Ziel, in Orschwiller – bin ich angekommen und kann endlich der sein, der ich in der Form der Gegenwart nie sein wollte, und der ich jetzt, in der Perspektive der Vergangenheit, so gerne bin“.

„ Zuerst ist das einfach nur ein Gefühl, eine innere Wahrnehmung, vielleicht auch eine bewusste Haltung. Sie hängt damit zusammen, dass sich  mein Leben hier – in der Form des Rückblicks –  fast schon in Literatur verwandelt hat …  wenn die Kunst nur der Widerschein der Wirklichkeit ist und nicht die Wirklichkeit selbst, dann bekommt das Dargestellte eine andere Qualität, beinahe ein Eigenleben … das  entlastet von der bedrängenden, unmittelbaren  Erfahrung, die sich – auf diese Art gefiltert – wie in einer Zwischen-Wirklichkeit zeigt … das strebe ich als Lebensprinzip an und übe es täglich …“

Ich wußte, dass Hans Werner Hirschkäfer nicht gerne auf sein frühes Werk angesprochen wird. Aber wo, wenn nicht hier, in diesem elsässischem Dorf, das neben den Blessuren seiner Geschichte und den gegenwärtigen Widersprüchen einen unbezwinglichen Willen zur Selbstbehauptung und zur bewußten Illusion bewahrte – wo, wenn nicht auf der Terrasse dieser Auberge sollte man das Recht haben, darauf zu sprechen zu kommen.