Hochsommer

Der Sommer blühte
auf dem Kleid meiner Mutter

im schattigen Garten
stand der Mittag still.

Behaglich dehnen sich Gespräche …

die Worte räkeln sich
in der Sonne –

und halte ohne Mühe
jeder Vergänglichkeit stand.

Schlafende Hunde

Und da du fragst, wie ich nun lebe
so sei ganz unbesorgt …

ich geh nur ganz leise
halbherzig zugrunde

ach sei ohne Sorge:
vor schlafende Hunde –

und es geht mir nicht übel dabei.

Bamberg, Dom

Wie aus der Zeit gefallen
war dieser Abend

durch hohe Fenster
Licht in dünnen Fäden

ein Priester schattenhaft
ins Halbdunkel verbannt

„wir Wiedergänger zwischen
heiler Welt und Grauen“

sagst du und ziehst
mit leichtem Frösteln
dein luftig buntes
Tuch zurecht.

Irritation

Dein Lächeln
– dieser schräg
gehaltene Kopf,
die Augen spielen
zwischen Übermut
und fast schon
zugeneigtem Spott –
es trifft und
bringt auch dich
ins Stolpern …
wir taumeln uns
in Sicherheit und
haben uns
so schnell gefangen
dass – ohne Zweifel –
nichts mehr bleibt. 

Bayreuth, Eremitage

Mäßig abgeschieden
rahmt uns die Einsamkeit
wuchert künstlich mit Kaskaden
und im Grottenstil ruinös:
Der Hof spielt Nonne und Mönch,
gelangweilte Hundegräber
schmückt der beschämte Voltaire …
über das Wetter reden wir
und ihrer Hofdame ritzt die Gräfin
kunstlos „Ich liebe dich“
in den Marmor.

Jean Paul, Rollwenzelei

Er macht es einem nicht leicht,
sagst du und lachst mir vergnügt
von der steilen Treppe entgegen.

Der Sprachwitz blitzt aus jeder Ecke!
Sieh nur: Kometen fliegen vor dem Fenster!
Das ganze Zimmer randgefüllt mit Scherzen,
Schmerzen, Zittern und Ekstase!

„Ich bin ein Ich“ – antwortest du,
das ist nicht einfacher zu haben –
und Welten ließ er dann und wann
im Braunbier dämmern und vergehen.